
Mehr als ein Abschied
Christi Himmelfahrt wirkt auf viele erst einmal seltsam. Jesus verschwindet in den Himmel, so wirkt es in den Erzählungen des Neuen Testamentes, besonders das Lukas-Evangelium (1) und die Apostelgeschichte (2). Die Jünger schauen ihm nach, eine Wolke nimmt ihn in sich auf und entzieht ihn ihren Blicken. Das klingt fast wie ein alter Mythos oder wie eine Szene aus einem Film.
Aber so ist es nicht gemeint. Der Himmel ist kein Ort über den Wolken und die Wolke ist kein Nebel, der etwas versteckt. In der Bibel steht die Wolke sinnbildlich für die Gegenwart Gottes. Und der Himmel meint nicht das Weltall, sondern die Wirklichkeit oder die Wirkmacht Gottes selbst.
Christi Himmelfahrt sagt also etwas anderes: Jesus ist nicht einfach weg. Er ist ganz bei Gott. Gerade deshalb ist er nicht fern, weg von uns. Vielmehr ist er uns auf eine neue Weise nahe.
Die 40 Tage zwischen Ostern und Christi Himmelfahrt sind dabei kein kleines Detail des Kalenders, sondern ein Bild. 40 steht in der Bibel oft für eine Zeit der Vorbereitung. Es geht darum, dass die Jünger langsam, aber sicher begreifen: Der Auferstandene gehört nicht mehr in die alte Welt und er gehört auch nicht mehr der alten Welt.
Deshalb gehört die Himmelfahrt Jesu unbedingt auch zu seiner Auferstehung, zu Ostern. Gott hat Jesus nicht nur zum Leben oder in das Leben zurückgeholt. Er hat ihn erhöht. Er hat ihm Anteil an seiner eigenen Wirklichkeit gegeben. Wenn im Glaubensbekenntnis gesagt wird, dass Christus „zur Rechten des Vaters sitzt“, dann ist das ein Bild für seine Macht, seine Würde und Nähe zu Gott.
Christi Himmelfahrt ist also kein Abschied, sondern vielmehr einen Durchbruch indem das Menschsein Jesu seinen Platz bei Gott gefunden hat.
Wenn der Himmel weiter ist als du denkst
Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Alles läuft, aber innerlich fehlt etwas. Du funktionierst, erreicht Dinge, hast Chancen und Möglichkeiten, und trotzdem bleibt eine Leerstelle.
Genau da berührt dich Christi Himmelfahrt.
Denn dieses Fest (Christi Himmelfahrt) stellt eine unbequeme Frage: Reicht dir das, was du sehen und anfassen kannst? Oder spürst du, das dein Leben auf mehr angelegt ist?
Unsere Zeit hat sich daran gewöhnt, nur das gelten zu lassen, was messbar ist. Der Himmel wird dann schnell zu einer Fantasie. Aber der Glaube meint etwas anderes. Er sagt: Die tiefste Wirklichkeit liegt nicht vor deinen Augen, in dem was du anfassen kannst, was du zählen und messen kannst, sondern hinter allem, was du erlebst. Also auf einer Metaebene.
Das klingt fremd. Aber denk an die Momente, in denen du wirklich gelebt hast. In den Momenten der Liebe, des Vertrauens, der Hoffnung. Nichts von alldem kannst du anfassen, zählen oder messen, und doch trägt es dein Leben.
Vor diesem Hintergrund sagt Christi Himmelfahrt, dass genau diese Tiefe ein Gesicht hat. Und dieses Gesicht ist Jesus.
Nicht zurückgelassen, sondern begleitet
Ein Missverständnis hält sich ganz hartnäckig: Christi Himmelfahrt sei der Moment, indem Jesus die Welt verlässt. So, als verabschiede er sich von uns und lässt uns allein.
Das Gegenteil ist gemeint.
Gerade weil Jesus bei Gott ist, ist er nicht mehr an einen Ort gebunden. Er ist nicht mehr nur in Galiläa oder in Jerusalem. Er ist überall erreichbar. Nicht sichtbar, aber wirklich, also wirkend.
Genau darin wächst der Glaube.
Vielleicht gibt es bei dir Zeiten, in denen Gott fern wirkt. Zeiten, in denen das Gebet leer erscheint oder in denen du dich fragst, ob da überhaupt jemand (Gott) ist.
Christi Himmelfahrt nimmt diese Erfahrung ernst. Christi Himmelfahrt sagt nicht: Gott ist immer spürbar. Aber es sagt: Er ist da, auch wenn du ihn nicht siehst.
Dein Leben hat mehr Höhe, als du glaubst
Am Ende geht es also nicht nur um Jesus, sondern auch um dich. Wenn Christus bei Gott ist, dann ist das Menschsein selbst dort angekommen. Nicht irgendein abstraktes Ideal, sondern ein echtes Leben, mit Körper, einer Biografie und Wunden.
Das bedeutet: Dein Leben ist nicht auf das begrenzt, was gerade sichtbar ist. Deine Hoffnungen, deine Kämpfe, deine Fragen gehen nicht ins Leere.
Christi Himmelfahrt ist eine kraftvolle Zusage, nämlich, dass du für mehr geschaffen bist.
Vielleicht verändert das nicht sofort deinen Alltag. Es kann aber deine Perspektive verschieben. Du bist nicht begrenzt auf das hier und jetzt. Dein Leben hat eine Richtung und diese Richtung weist in den Himmel.
Oder anders gesagt: Christus ist nicht weggegangen. Er ist dir vorausgegangen.
Bibelstellen:
(1) Lukas 24,50-51
50 Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. 51 Und es geschah, währennd er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben.
(2) Apostelgeschichte 1,3.9-10
3 Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. 9 Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. 10 Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen …
Bildquelle:
Bild von StockSnap auf Pixabay, abrufbar unter https://pixabay.com/de/photos/berg-wolken-himmel-reisen-natur-2592792/ (letzter Aufruf vom 13. Mail 2026)
